Der ländliche Terror des „Texas Chainsaw Massacre" in die österreichische Provinz versetzt, als Comic-Blutrausch voller wahnwitziger Popkultur-Zitate.
DAS PROJEKT
WAS IST BAUER?
Die Horror-Graphic Novel aus dem Österreich der 80er Jahre.
Die 80er – man erzählt sich ja gerne Geschichten von aalglatter Coolness, glitzerndem New Wave-Schick und Lifestylemagazinen, die ihrer Zeit voraus gewesen wären. Für uns in den 70er Jahren Geborene, die in den 80ern in ihre ersten Teenagerjahre hineinschnupperten, war das anders. Coolness und Posing auf der einen Seite, verbohrte Spießigkeit auf der anderen. Wir kannten miefige Beisln, ein paar gefährliche ältere Jugendliche, und gelegentlich kamen seltsam anmutende Bilder aus fernen glamourösen Welten durch.
In dieses Gefühl versetzt sich Zeichner Michael Liberatore zurück und verarbeitet es in BAUER in einen vielschichtigen Horrortrip.
BAUER führt in farbenfrohe Abgründe. Michael Liberatore lässt sich viel Zeit, um das Grauen der Wälder und Keller in aller Ruhe zu entfalten. Das sitzt dann aber umso besser. In wunderschönen Bildern und wie nebenbei erzählt nimmt das Morden seinen Lauf … BAUER schafft ein eigenes Horror-Universum, in dem sich Leser verlieren können wie in den finstersten Wäldern und deren tiefsten Seen. Fortsetzungen sind angekündigt.
DAS INTERVIEW
DIE GESCHICHTE HINTER DEM HORROR
Michael Liberatore im Gespräch mit Sebastian Broskwa | PICTOPIA.
Sebastian Broskwa: Zuerst einmal meine herzliche Gratulation zu deinem facettenreichen und intensiven Horror-Universum, das du in der Form von BAUER auf unsere Welt losgelassen hast. Aus welcher Grundidee heraus hast du BAUER geboren, was war für die Entstehung der Stein des Anstoßes?
Michael Liberatore: Ich mag ja Bands wie Guana Batz, Frantic Flintstones, Batmobile – also vor 100 Jahren hab ich die zumindest gerne gehört. Nein, sagen wir vor etwas mehr als 30 Jahren, hahahaha … diese Bands haben damals etwas für die Kunst Typisches gemacht: Man greift etwas auf, was ganz alltäglich ist, wie zum Beispiel den Rock'n'Roll Ende der 70er, und macht daraus etwas anderes. Indem man ihn etwa mit einem anderen Musikgenre wie dem Punk kombiniert. Damals hab ich auch bei einem Arzt im Wartezimmer in einer Illustrierten geblättert und bin auf einen Bericht über einen deutschen Psychobilly gestolpert – so heißt auch die Musikrichtung dieser Bands – einen jungen Typen, und DER war Landwirt. Das war so eine Foto-Story, er mit kariertem Hemd und blondem Flat am Traktor. (Flat ist eine bürstenartige Haarkonstruktion, sie soll im zweiten Teil von BAUER noch eine Rolle spielen.) Das hab ich irgendwie über all die Jahre nie vergessen, seltsam. Mein Musikgeschmack hat sich im Laufe der Jahre ja doch etwas geändert, aber ich hab vor einiger Zeit so kurze Strips gezeichnet, über einen Bauern, der die Meteors hört und gegen UFOs und Monster zu kämpfen hat – natürlich mit einer toten Mutter im ersten Stock, die ihn mit Anrufen nervt. Da hatte ich noch keine wirkliche Idee, was ich daraus machen soll, die Sachen sind dann für eine Zeit in der berühmten Schublade unter anderen Skizzen verschwunden.
Sebastian Broskwa: Musik ist ein zentrales Thema in BAUER. Du webst viele Songtexte in deine Hintergründe hinein, über viele Seiten lauschen wir einem Radio-DJ und das Thema Musik beschäftigt auch viele Protagonist:innen sehr stark. Was bedeutet dir Musik im erzählerischen und künstlerischen Kontext von BAUER?
Michael Liberatore: Vor ca. drei Jahren hab ich einmal erstens das Buch „Der Moddetektiv" von Christopher Just und zweitens alte Mixtapes in der Hand gehabt. Das Buch hat mich derart amüsiert und war so die Initialzündung für einen neuen Anlauf für BAUER – da hatte ich dann die Idee zu einer Art gezeichnetem Horror-Musical mit diesen alten Songs. Man ist beim Musikhören ja sofort in einer anderen Welt. Das Wien der späten 80er war zum Beispiel eine echte Abenteuerwelt der Subkulturen. Die Stadt war damals voll mit Punks, Mods, Teds, Skins natürlich … Das hatte zu der Zeit auch alles viel mehr Gang-Charakter als nachher dann. Wobei manche Konflikte auch oft eher gepflegt als ausgetragen wurden, das war schon lustig damals. Diese Welt der Jugend-Rivalitäten wollte ich als eine Erzählebene dabeihaben – für die, die das noch kennen. Und die Musik soll, obwohl wir sie auf den gezeichneten Seiten ja nicht hören können, durch dieses Jahrzehnt führen. Von New Wave bis zu den Anfängen des Grunge. Das alles hab ich nach und nach mit den ersten Entwürfen aus der Lade und mit viel Popkultur-Kram noch einmal ordentlich durchmischt – ich mag es ja, wenn Kunst so aufreizend mit dem Register des Kindischen spielt, in der Sprache zum Beispiel, oder wenn im Horror das Absurde oder Alberne durchsickert.
Das ausführliche Interview ist in BAUER – BAND 1: A FOREST zu lesen …
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